08. September 2026

Extremismusprävention heute: Identität stärken, Dialog ermöglichen, Demokratie leben

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Extremismusprävention heute: Identität stärken, Dialog ermöglichen, Demokratie leben

Extremismusprävention beginnt lange bevor sich radikale Einstellungen verfestigen. Mit dem geplanten Verbundprojekt „NEXT STEP – Identität stärken. Demokratie leben.“ setzen Dialog und Bildung e.V., EHIL e.V. und das Sächsische Bildungszentrum e.V. auf Dialog, Medienkompetenz, Peer-Education und die Stärkung junger Menschen.

Warum Extremismusprävention heute wichtiger denn je ist

Junge Menschen wachsen in einer Zeit auf, in der gesellschaftliche Konflikte, politische Polarisierung und internationale Krisen unmittelbar über soziale Medien in ihren Alltag gelangen. Informationen, Meinungen und gezielte Desinformation stehen dabei oft direkt nebeneinander. Gleichzeitig können Fragen nach Identität, Zugehörigkeit, Religion, Diskriminierung und gesellschaftlicher Anerkennung eine wichtige Rolle in der persönlichen Entwicklung spielen.

Extremismusprävention darf deshalb nicht erst dort beginnen, wo sich radikale Einstellungen bereits verfestigt haben. Frühe Prävention setzt vorher an: Sie schafft Räume für Fragen, stärkt Orientierung und Urteilsfähigkeit und ermöglicht jungen Menschen, gesellschaftliche Konflikte konstruktiv zu diskutieren.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Jugendliche oder bestimmte gesellschaftliche Gruppen unter Generalverdacht zu stellen. Präventionsarbeit sollte junge Menschen vielmehr als aktive Mitgestaltende einer demokratischen Gesellschaft verstehen.

Die Eckpfeiler wirksamer Präventionsarbeit

Aus unserer Sicht braucht zeitgemäße Extremismusprävention mehrere miteinander verbundene Bausteine:

Identität und Zugehörigkeit stärken: Junge Menschen benötigen Räume, in denen sie Fragen zu ihrer eigenen Identität, Religion, Herkunft, gesellschaftlichen Zugehörigkeit und persönlichen Erfahrungen offen thematisieren können.

Dialog und demokratische Streitkultur fördern: Unterschiedliche Perspektiven auszuhalten, miteinander zu diskutieren und Konflikte ohne Abwertung oder Ausgrenzung auszutragen, gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten einer pluralistischen Gesellschaft.

Medienkompetenz entwickeln: Desinformation, manipulative Narrative und digitale Rekrutierungsstrategien verbreiten sich insbesondere über soziale Netzwerke. Junge Menschen müssen befähigt werden, Inhalte kritisch einzuordnen, Quellen zu prüfen und Mechanismen digitaler Einflussnahme zu erkennen.

Peer-Education ermöglichen: Junge Menschen erreichen andere junge Menschen häufig auf eine andere Weise als Institutionen oder Fachkräfte. Qualifizierte Peer-Multiplikatorinnen und -Multiplikatoren können deshalb eine wichtige Brücke zwischen professioneller Bildungsarbeit und den Lebenswelten junger Menschen bilden.

Fachkräfte und bestehende Strukturen einbeziehen: Nachhaltige Prävention benötigt auch pädagogische Fachkräfte, Jugendhilfe, Jugendarbeit, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Wissen und erprobte Methoden sollen langfristig dort verankert werden, wo junge Menschen bereits erreicht werden.

NEXT STEP – gemeinsam in drei Bundesländern

Genau an diesen Punkten setzt das geplante Verbundprojekt „NEXT STEP – Identität stärken. Demokratie leben.“ an.

Dialog und Bildung e.V. tritt als antragstellende Organisation und federführender Träger gemeinsam mit EHIL e.V. in Hamburg und dem Sächsischen Bildungszentrum e.V. in Sachsen an. Damit verbindet das Vorhaben Erfahrungen und Strukturen aus Bayern, Hamburg und Sachsen.

Im Mittelpunkt stehen wiederkehrende Dialogwerkstätten, digitale Medienbildung, Peer-Education sowie die Qualifizierung von Fachkräften. Die Kernmodule sollen unter unterschiedlichen regionalen Bedingungen erprobt und die daraus gewonnenen Erfahrungen für andere Strukturen nutzbar gemacht werden.

Dialog und Bildung e.V. übernimmt im geplanten Verbund insbesondere Aufgaben der Antragstellung und Verbundkoordination, des Qualitätsmanagements, der Modulentwicklung sowie der Umsetzung im Raum Nürnberg. EHIL e.V. bringt insbesondere seine lokalen Zugänge und Netzwerke in Hamburg ein, während das Sächsische Bildungszentrum e.V. die regionale Erprobung und Vernetzung mit Strukturen in Sachsen übernimmt.

Prävention bedeutet, frühzeitig Räume zu öffnen

Unser Ansatz beginnt nicht mit der Frage, ob ein junger Mensch „gefährdet“ ist. Vielmehr wollen wir Räume schaffen, in denen schwierige Fragen gestellt und kontroverse Erfahrungen besprochen werden können.

Wo gehöre ich hin? Wie gehe ich mit Diskriminierung um? Wie erkenne ich Manipulation in sozialen Medien? Wie kann ich meine religiöse oder kulturelle Identität leben und zugleich aktiv an einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben? Wie können unterschiedliche Überzeugungen miteinander diskutiert werden?

Solche Fragen verdienen differenzierte Antworten und offene Gesprächsräume.

Frühe Extremismusprävention ist deshalb für uns zugleich Demokratiebildung, Medienbildung, Dialogarbeit und Empowerment. Sie soll jungen Menschen nicht vorschreiben, was sie denken sollen, sondern sie dabei unterstützen, Informationen kritisch zu prüfen, eigene Positionen zu entwickeln und Konflikte demokratisch auszutragen.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Mit NEXT STEP möchten Dialog und Bildung e.V., EHIL e.V. und das Sächsische Bildungszentrum e.V. ihre unterschiedlichen regionalen Erfahrungen zusammenführen und daraus einen übertragbaren Ansatz für frühe pädagogische Extremismusprävention entwickeln.

Die Interessenbekundung für den geplanten Förderzeitraum 2027 bis 2030 wurde am 31. August 2026 im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ eingereicht. Eine Förderentscheidung steht derzeit noch aus.

Weitere Informationen zum Projekt, zum aktuellen Verfahrensstand und zu unserem Präventionsansatz finden Sie auf der offiziellen Projektseite:

https://nextstep-dl.org/